Mobilität & Verkehr
Stau auf der Straße
14.12.2022
Artikel zum Hören 07:22 Min.
Lesedauer ca. 6 :00 Min.
14.12.2022
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Abfahren, umfahren, draufbleiben – so vermeidet man Staus richtig

Egal, ob stockender Berufsverkehr oder Ferienstaus: Blechlawinen auf der Autobahn nerven. Was ist die richtige Strategie? Stur im Stau stehen, die Umleitung fahren oder lieber eine Pause machen und abwarten? Scheinbar alles hat seine Vor- und Nachteile. Wie man mit stockendem Verkehr richtig umgeht und warum man trotzdem am besten in der Spur bleibt.

Die Zahlen klingen erschreckend: Dem ADAC zufolge gab es im Jahr 2021 in Deutschland im Durchschnitt etwa 1.870 Staus – jeden Tag. Aufs Jahr betrachtet summierte sich die Staulänge auf Deutschlands Straßen auf unglaubliche 850.000 Kilometer. Eine Blechlawine, die fast 20 mal um den Äquator passt. Das hat auch Auswirkungen auf die Menschen im Stau: Laut Statistik standen bundesweit deutsche Autofahrer rund 346.000 Stunden im Stau. Umgerechnet sind dies knapp 39,5 Jahre. Besonders in der Ferienzeit müssen Reisende mit vielen Staus auf deutschen Autobahnen rechnen. Kein Wunder also, dass es viele „Vorschläge“ gibt, wie man mit einem Stau umgehen soll oder eben nicht. Fakt ist: Mit ein wenig Planung lassen sich besonders staulastige Zeiten umgehen und somit lange Wartezeiten in der Blechlawine größtenteils vermeiden. Hier einige Tipps.

Wer seine Strecke im Voraus, kann nervige Verkehrsbehinderungen vermeiden.

1. Staus vorausplanen

Einen Stau vorhersehen? Dafür bedarf es nicht unbedingt hellseherischer Fähigkeiten. Denn bestimmte Staubildungen lassen sich auch ohne Glaskugel verlässlich weissagen. Kurz vor dem Wochenende, wenn viele Pendler auf den Straßen sind, und am Start beziehungsweise Ende der Ferien ist das Risiko für Staus deutschlandweit besonders hoch. Auch Brückentage oder Feiertage in den angrenzenden Nachbarländern führen zu mehr Verkehr auf den Straßen. Wer hier antizyklisch fährt und versucht, vorhersehbare Stoßzeiten zu vermeiden, spart sich mitunter die Zeit in der Autoschlange und eine Menge Nerven. Tipp für Nachteulen: Nachts sind die Straßen oft wie leergefegt, generell hat man unter der Woche ab 22 Uhr vielfach freie Fahrt.

Auch wenn das Navigationssystem Ausweichrouten anbietet, ist häufig die bessere Wahl, sich in Geduld zu üben.

2. Nicht blind dem Navi folgen

Das Navigationsgerät piepst, warnt vor einem Stau auf der Strecke und schlägt gleich eine Lösung vor: Bei der nächsten Ausfahrt abfahren und über die Landstraße ausweichen. Klingt vielleicht logisch, ist aber nur bedingt hilfreich. Und dies aus mehreren Gründen. Erstens kommt es auf den Grund des Staus an. Mäharbeiten können beispielsweise durch die Fahrbahnverengung zu einem Stau führen, der Verkehr kann aber weiter fließen. Eine Sperrung der Autobahn nach einem Zwischenfall führt nicht nur zu einem direkten Stillstand. Auch das Auflösen des Staus dauert selbst nach Beseitigung des Hindernisses deutlich länger. Daher sollten Autofahrer nur dann dem Navigationsgerät trauen, wenn eine Vollsperrung angezeigt wird. In anderen Fällen ist gesunder Menschenverstand gefragt. Denn die Ausweichstrecken sind in der Regel für deutlich weniger Verkehr ausgelegt als eine Autobahn. Außerdem wird der Verkehr hier zusätzlich durch Ampeln und Kreuzungen ausgebremst. Und da heutzutage fast jedes Fahrzeug über ein Navi verfügt, folgen viele Verkehrsteilnehmer dem Hinweis und verstopfen die Alternativstrecke. Und nichts wäre ärgerlicher, als auf der Umgehung in einem Stau zu stehen, während auf der Autobahn der Verkehr wieder fließt.

Ein Stau auf der Autobahn kostet Zeit, Nerven und Sprit – trotzdem ist er oft schneller vorbei als man denkt.

3. Der Stau ist schneller als man denkt

Mal abgesehen von einer Vollsperrung – ein Stau fließt unaufhaltsam, auch wenn er als Inbegriff der Langsamkeit gilt. Wissenschaftler haben errechnet, dass die Durchschnittsgeschwindigkeit in einem Stau auf der Autobahn etwa zehn Kilometer pro Stunde beträgt. Vor allem, wenn die Umgehungen bereits überlastet sind, ist es sinnvoller, auf der Autobahn zu bleiben. Und nein, das Springen von Fahrbahn zu Fahrbahn bringt rein gar nichts – außer verschlissenen Nerven, mehr Stau und höheren Benzinverbrauch.

Auffahren auf die Autobahn und Einfädeln bei Engstellen bedeutet für viele Autofahrer Stress pur.

4. Richtig einfädeln mittels Reißverschlussverfahren

Viele Staus bilden sich, weil ein Fahrstreifen endet und sich Autos einfädeln müssen. Viele Reisende fädeln an solchen Fahrabschnitten zu früh ein oder lassen einfädelnde Fahrzeuge nicht einfahren. Die Folge: Stillstand. Dabei gilt an diesen Stellen das Reißverschlussverfahren, die Anwendung ist sogar Pflicht. Das führt allerdings immer wieder zu haarigen Situationen und Aufregung hinter dem Lenkrad. Dabei ist das Verfahren so simpel. Generell sollte die Spur erst unmittelbar vor der Engstelle gewechselt werden. Wer also bis zum Hindernis durchfährt, drängelt nicht, sondern verhält sich richtig. Denn: Wer zu früh einfädelt, verursacht eher selbst einen Stau. Man muss zudem keine Angst haben, nicht rechtzeitig die Spur wechseln zu können, den Autos auf der weiterführenden Spur müssen andere Verkehrsteilnehmer einfädeln lassen. Ein Miteinander ist hier also Voraussetzung. Generell gilt sowieso auf der Autobahn: Ständige Spurwechsel im Stau bringen keine zeitlichen Vorteile.

Wer keine Rettungsgasse bildet, riskiert Bußgelder und Fahrverbote.

5. Rettungsgasse bilden

Rettungsgassen sind lebenswichtig. Egal wie zähflüssig der Verkehr fließt – jeder sollte sich an die Regel halten. Und die sagt: linker Fahrstreifen nach links, die anderen nach rechts. Nur so entsteht der notwendige Fahrweg, damit Abschlepp- oder Rettungsfahrzeuge die Stauursache beseitigen können. Denn erst wenn Unfälle oder liegengebliebene Fahrzeuge ordentlich gesichert sind, kann der Verkehr verlässlich fließen. Außerdem: Wer bei stehendem Verkehr keine Rettungsgasse bildet, den erwartet ein Bußgeld von 200 Euro und zwei Punkte in Flensburg. Sollten Rettungskräfte durch das Fahrzeug sogar behindert werden, steigt die Strafe auf 320 Euro. Zusätzlich droht ein Monat Fahrverbot.

Kaffeedurst unterwegs lässt sich beispielsweise an den Raststätten schnell und einfach stillen.

6. Parkplätze und Raststätten zur Pause nutzen

Schiebt sich die Autokolonne an einer Raststätte oder einem Autobahnparkplatz vorbei, kann es sich lohnen, für eine Pause abzufahren. Zum Beinevertreten, dem Gang aufs stille Örtchen oder um etwas zu essen. Und mit etwas Glück ist die Stauursache verschwunden, wenn man die Fahrt fortsetzt. Übrigens: Über Parkplätze am Stau vorbeizufahren, um einige Meter gut zu machen, ist nicht nur uncool, das Einfädeln sorgt auch wieder dafür, dass der Verkehr langsamer fließt.

 

Diese Tipps sollten Sie generell im Stau beachten:

  • Vorausschauend fahren (an ein Stauende langsam heranfahren und Warnblinker anschalten).
  • Nicht auf der Autobahn aussteigen.
  • Niemals wenden und rückwärts fahren.
  • Rettungsstreifen freihalten bzw. Rettungsgasse bilden.
  • Auch im Stau gilt: Telefonieren nur bei ausgeschaltetem Motor.
  • Keine häufigen Spurwechsel, um „schneller zu werden“.
  • Radio einschalten und auf Sender mit Verkehrshinweisen wechseln.

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Vor der Navi-App und dem Navigationsgerät war der Atlas und die Seekarte. Warum der Mensch auch schon vor vielen Jahrhunderten immer nach dem kürzesten Weg gesucht hat, erfahren Sie hier.

Abfahren, umfahren, draufbleiben
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