Mobilität & Verkehr
05.06.2023
Artikel zum Hören 06:08 Min.
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Inklusion im digitalen Zeitalter – Apps und Software, die die Navigation für Menschen mit Behinderung erleichtern

Mobilität ist ein Grundbedürfnis des Menschen. Sie ermöglicht es uns, an verschiedenen Orten zu arbeiten, Freunde und Familie zu besuchen oder unsere Freizeit zu gestalten. Für Menschen mit Behinderungen wird Mobilität jedoch zu einer großen Herausforderung. Barrieren im öffentlichen Verkehr, unzureichende Infrastruktur oder fehlende individuelle Mobilitätslösungen schränken die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ein. Barrierefreie Mobilität ist daher ein wichtiger Faktor für eine inklusive Gesellschaft. Moderne Technologien und Anwendungen können der Schlüssel sein, damit Menschen mit Behinderungen im Alltag deutlich besser zurechtkommen als bisher.

Mobilität ist für Rollstuhlfahrende, Seh- und Hörbeeinträchtige oft eine Herausforderung. Seien es Stufen im Eingangsbereich öffentlicher Gebäude, die den Zugang erschweren; schlecht lesbare Schilder oder fehlende akustische Signale an Fußgängerampeln. Technik kann helfen, diese Barrieren zu überwinden. Natürlich gibt es hier eine ganze Reihe von Anwendungsfällen und Lösungen. Von behindertengerechten Fahrzeugen über Einstiegshilfen in öffentliche Verkehrsmittel bis hin zu unterstützenden Geräten, die den Alltag in den eigenen vier Wänden erleichtern. Es ist gut, dass es inzwischen so viele Hilfsmittel gibt. In diesem Artikel konzentrieren wir uns auf Tools, die dabei unterstützen, sich in unbekannten Umgebungen zu bewegen, sich sicher und komfortabel fortzubewegen und mit anderen zu kommunizieren, zu planen und zu navigieren.

 

Mobilität ist nicht gleich Mobilität

Menschen mit Behinderungen haben besondere Mobilitätsbedürfnisse. Diese Bedürfnisse hängen von der Art der Einschränkung ab. So kann es für manche Menschen schwierig sein, Treppen zu steigen, während andere Schwierigkeiten haben, sich in unbekannten Umgebungen zurechtzufinden oder sich verbal auszudrücken. Daher ist diese Bevölkerungsgruppe häufig mit einer Vielzahl von Herausforderungen konfrontiert, wenn sie unterwegs ist, insbesondere in unbekannten Umgebungen.

Software und Anwendungen tragen dazu bei, diese Herausforderungen zu bewältigen und die Mobilität zu verbessern. Sie können beispielsweise Funktionen wie Sprachnavigation, Barrierefreiheit und individuelle Einstellungen bieten, um die Orientierung und Erkundung der Umgebung zu erleichtern.

Es gibt eine wachsende Zahl von Software- und Anwendungslösungen, die speziell für diese Zielgruppe entwickelt wurden, um ihnen die Orientierung und Navigation in verschiedenen Umgebungen zu erleichtern. Einige Beispiele für solche Apps sind:

Wheelmap

© Andi Weiland I Wheelmap.org

Wheelmap

Diese App wurde für Menschen entwickelt, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind. Sie hilft bei der Suche nach barrierefreien Orten und Wegen dorthin. Wheelmap bietet eine interaktive Karte, auf der Nutzer Orte bewerten und kommentieren können, um anderen Rollstuhlfahrern zu helfen, die besten Wege von A nach B und besonders barrierefreie Einrichtungen zu finden.

Weitere Informationen finden Sie hier.

BlindSquare

BlindSquare

Die speziell für blinde und sehbehinderte Menschen entwickelte Anwendung nutzt GPS-Technologie und Sprachnavigation, um dem Benutzer zu helfen, sich in seiner Umgebung zurechtzufinden. Die Anwendung informiert beispielsweise über die Entfernung zu Zielen und gibt Sprachanweisungen für die Navigation. Sie ist jedoch wesentlich genauer als die Sprachnavigation von Google oder Apple, da sie speziell auf die Gehweise sehbehinderter Menschen zugeschnitten ist und zusätzlich auf mögliche Hindernisse wie Bordsteinkanten hinweist.

Weitere Informationen finden Sie hier.

Avaz

Avaz

Eine Anwendung für Menschen mit Sprachbehinderungen. Sie bietet eine alternative Möglichkeit der Kommunikation. Die Anwendung gestattet es dem Benutzer, über Bilder und Symbole mit anderen Personen in Kontakt zu treten. Außerdem verfügt sie eine Text-to-Speech-Funktion, die eingetippte Sätze als Sprache ausgibt, um die Kommunikation zu erleichtern.

Weitere Informationen finden Sie hier.

Moovit

Moovit

Beide Apps nutzen das öffentliche Verkehrsnetz, um die beste Route von einem Ort zum anderen zu planen. Sie bieten barrierefreie Funktionen wie rollstuhlgerechte Routen und Informationen über Aufzüge und Rampen.

Weitere Informationen finden Sie hier.

Be My Eyes

Be My Eyes

Hinter diesem Namen verbirgt sich eine einzigartige Lösung, die sehbehinderten Menschen auf der ganzen Welt hilft, Unterstützung im Alltag zu finden. Die App verbindet sehbehinderte Nutzende mit freiwilligen Helfende, die in Echtzeit per Videoanruf zur Verfügung stehen, um bei alltäglichen Aufgaben wie dem Erkennen von Produkten oder dem Lesen von Texten zu helfen. Die App hat bereits Millionen von Usern auf der ganzen Welt geholfen und zeigt, wie Technologie dazu beitragen kann, Barrieren im Alltag zu überwinden und Menschen miteinander zu verbinden.

Weitere Informationen finden Sie hier.

Zukunft der Technologie für Menschen mit Beeinträchtigungen

Technologie hat das Potenzial, die Mobilität von Menschen mit Behinderungen weiter zu verbessern. Zukünftige Entwicklungen und Innovationen können dazu beitragen, dass sich diese Zielgruppe noch einfacher und sicherer in ihrer Umwelt bewegen kann. Es bleibt jedoch noch viel zu tun.

Zu den zukünftigen Entwicklungen gehört der Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) und maschinellem Lernen, um die Navigation in Innenräumen zu verbessern, indem beispielsweise Barrieren automatisch erkannt und umgangen werden. Eine weitere Innovation ist der Einsatz von virtueller und erweiterter Realität, um Barrieren und Hindernisse in Echtzeit sichtbar zu machen und alternative Routen anzubieten.

Es gibt auch Initiativen, die den Einsatz von Open-Source-Technologien zur Verbesserung der Mobilität von Sehbehinderten und Rollstuhlnutzenden fördern. Dies ermöglicht die Zusammenarbeit zwischen Entwicklern, Designern und Menschen mit Behinderungen, um Technologien zu schaffen, die wirklich auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten sind.

Die Behinderung bleibt, aber die Mobilität nimmt zu

Die Behinderung bleibt, aber die Mobilität nimmt zu

Obwohl Technologie eine wichtige Rolle bei der Verbesserung der Mobilität von Menschen mit Beeinträchtigungen spielt, gibt es noch viele Herausforderungen und Hindernisse. Eine der größten Herausforderungen ist die Verfügbarkeit und Zugänglichkeit von Technologien für Menschen mit geringem Einkommen oder in ländlichen Gebieten.

Es bleibt jedoch zu hoffen, dass die Entwicklung der Technologie weiter voranschreitet und dazu beiträgt, dass sie sich diese Bevölkerungsgruppe freier und unabhängiger bewegen kann, um ein erfülltes Leben zu führen.

Das Thema Digitalisierung interessiert Sie? Dann haben wir eine weitere Leseempfehlung für Sie. In unserem Artikel „KI – Segen oder Fluch“ setzen wir uns mit den Grenzen und möglichen Risiken von KI auseinander.

Inklusion im digitalen Zeitalter
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